Glücklich, zufrieden und auch wenig aufgeputscht – mit andern Worten: Endorphine hatten ganze Arbeit geleistet – verließen die Sänger der Männergesangvereine ‚Concordia 1878 Edesheim‘ und ‚Germania 1898 Lorsch‘ die Bühne des Edesheimer Jahrmarkts. Zuvor hatten alle zusammen als Zugabe das Lied vom ‚Pfälzer Weinknorz‘ gesungen, man könnte auch sagen, richtig gehend gefeiert!
Wie kam es zu diesem ersten gemeinsamen Auftritt? Die Verbindung stellte Germanias musikalischer Leiter Marc Bugert her. Er, der seit Anfang 2022 die musikalischen Geschicke des Lorscher Chores leitet, wurde auch im Jahr 2024 vom Edesheimer Männerchor Concordia herzlich begrüßt und übernahm dort den Taktstock. Bald reifte der Gedanke, die beiden Männerchöre für einen gemeinsamen Auftritt zusammenzuführen, Zeit und Gelegenheit vorausgesetzt. Die Chance hierfür bot sich nun während des Jahrmarktes in dem zweitausendfünfhundert Seelen Ort an der südlichen Weinstraße, die Germanias Vorsitzender Klemens Diehl-Blust gerne ergriff. Als Randnotiz sei angemerkt, dass Edesheim über eine Weinanbaufläche von etwa 500 Hektar verfügt, mehr als die gesamte hessische Bergstraße (463 Hektar).
An einem Bildbuch-Sonntag traten die Germania-Sänger zur mittäglichen Stunde die Busfahrt von der Bergstraße an die Weinstraße an, neugierig, entspannt und mit einer zögerlichen Vorfreude, denn es war auch eine Reise ins Ungewisse. Schließlich wusste man nicht, was genau einen erwartet. Die Bedenken sollten bei der Ankunft in der Pfalz schnell verfliegen, denn eine Abordnung der Concordia hieß den Lorscher Chor bereits an der Ausstiegstür des Bussen aufs Herzlichste willkommen und bereit gestellte, gut gekühlte Weinschorle sorgten an reservierten Tischen für weitere Entspannung.
Beim Einsingen der beiden Chöre für die gemeinsam vorzutragenden Lieder wurde sofort klar: Das passt! Ganz klar, es trug die Handschrift von Marc Bugert, denn als Dirigent von Germania und Concordia hatte er im Vorfeld für eine Parallelität der Liedinterpretation gesorgt. Die Bühne, vor der sich etwa 200 Zuhörer versammelt hatten, konnte also erobert werden.
Nach Begrüßung durch Concordias Vorsitzenden Markus Schreiner, der wiederholt seine Freude über den Lorscher Besuch zum Ausdruck brachte, stieg zunächst der Heimatchor mit dem ‚Pfälzer Sängerspruch‘ und zwei Shanties – ‚Santiano‘, ‚Wellermann‘ – ins musikalische Geschehen ein, bevor Germania Lorsch mit dem ‚Sängergruß‘ gefolgt von Brückenliedern – ‚Über sieben Brücken‘, ‚Ein Lied kann eine Brücke sein‘ – und ‚Rock me‘ das folgende gemeinsame Konzert einleitete.
Die Edesheimer Weinprinzessin Alicia I. hatte die Moderation zwischen den kurzen ‚Umbaupausen‘ übernommen. Gekonnt und spannend leitete sie die jeweilig nächsten Konzertblöcke ein.
Zusammen musizierten und sangen zunächst der Concordias Projektchor und Germanias ‚Taktfest‘ die Lieder ‚Tears in Heaven‘, ‚Männer‘, Grönemeyer und ‚Angels‘ offensichtlich so mitreißend, dass auch im Publikum kräftig gesungen wurde. Schließlich der Hauptteil des Konzerts mit den Gesamtchören von Concordia und Germania. Die Liedauswahl bediente viele Genres: Klassische Männerchorlieder wie ‚Dunkle Augen, Roter Mund‘, Musicalsongs, hier ‚Nessaja‘ und Gospel mit ‚Roll, Jordan, Roll‘ sowie ‚Kumbayah‘. Beim abschließenden ‚Benia Calastoria‘ spürte man förmlich, wie Sängerherzen höher flogen, denn der Abschlusston des Liedes wurde von 65 Sänger ‚geschmettert‘, für alle Beteiligten sehr bewegend. Dazu Markus Schreiner: ‚Eine derart großen Männerchor habe ich in meiner Sängerlaufbahn noch nicht erlebt.‘ Und Bugert brachte seine Gefühle mit ‚Stolz und Dankbarkeit‘ für die Chorgemeinschaft zum Ausdruck.
Das Zugabenlied vom ‚Pfälzer Weinknorz‘ ist übrigens bei Germania schon lange fester Bestandteil der Liedauswahl für sogenannte ‚Ständchen‘. Interessant aber, dass in der Pfalz, bei Concordia nämlich, dieses Lied bislang unbekannt war. Marc Bugert sorgte nun auch hier für eine Bereicherung und da der Text ‚In der Pfalz wird gern gesunge, gern gegesse und gelacht…‘ als zutreffend empfunden wird, dürfte das Weinlied von nun auch in Edesheim fest zum Repertoire gehören.